Seit nun mehr als einem Monat liegt eine durchaus erfolgreiche Saison 07/08 hinter den Tigers. Bisher wurde die spielfreie Zeit zur Entspannung und Erholung genutzt, aber auch zum Training mit Blick auf die kommende Spielzeit. Aktuell trainiert das Team neben individuellem Fitnesstraining zwei bis dreimal die Woche gemeinsam, um fit zu bleiben. Doch dass die Tigers die letzte Saison nahezu ohne große Verletzungen überstanden haben beruht nicht nur auf harter Trainingsarbeit allein. Für die Gesundheit der Spieler auf und neben dem Spielfeld sorgt(e) ein starkes Team von kompetenten Sportmedizinern. Einer von ihnen ist Professor Dr. Michael Bohnsack, der als leitender Oberarzt an der Orthopädischen Universitätsklinik praktiziert. In einem exklusiven Interview sprach er über seine Zusammenarbeit mit den UBC Tigers und über die Verantwortung von Sportmedizinern im modernen Profisport. (spk)Herr Professor Dr. Bohnsack, woher stammt Ihre Begeisterung für den Sport bzw. Sportmedizin?
Ich habe selbst jahrelang Rudern als Leistungsport betrieben. Aus beruflichen Gründen kann ich diesen Sport jedoch nur noch selten durchführen. Weiterhin sind Ski fahren und Gleitschirm fliegen die Sportarten, die ich in meiner Freizeit ausübe. Zu dem habe ich drei Kinder, die meine Sportbegeisterung teilen. Diese Begeisterung für den Sport war ein maßgeblicher Faktor dafür mein Berufsglück im Bereich Sportorthopädie/Sporttraumatologie zu suchen.
Wie kam die Kooperation mit den UBC Tigers zustande?
Die Goch-Zwillinge, die ja im Vorstand sind, habe ich kennen gelernt, als sie noch aktiv in der Bundesliga gespielt haben. Auch Jahre später habe ich sie medizinisch betreut und auch andere Spieler des damals neu gegründeten UBC Hannover. Über die Jahre entwickelte sich ein gutes Verhältnis, das nun durch das hohe sportliche Niveau zu einer Kooperation mit mehreren Sportmedizinern gereift ist. An der Kooperation sind außer mir noch die beiden Sportorthopäden Dr. Jan Meier und Dr. Frank Dittmer aus Bothfeld beteiligt, sowie das Team um Physiotherapeut Heiner Otten, der schon seit mehr als 15 Jahren am Olympiastützpunkt Kaderathleten betreut und auch eine eigene Praxis hat.
Was sind die Bestandteile dieser Kooperation?
Neben ambulanter Behandlung sieht die Kooperation eine Spielfeldbetreuung vor. Das heißt, dass stets einer von uns drei Sportärzten, sowie Physiotherapeuten die Mannschaft bei ihren Spielen stets begleiten, um im Notfall gleich zur Stelle zu sein.
Was genau hat Sie am Konzept des UBC überzeugt?
Was mich hauptsächlich überzeugt hat, ist die Vision des Vereins Bundesliga-Basketball wieder in Hannover zu etablieren. Diese Vision finde ich großartig. Beeindruckt hat mich auch wie konsequent das Konzept umgesetzt wird, welches ja an hohe Erwartungshaltungen bei Team und Management geknüpft ist. Das sieht man ja an den begeisterten Zuschauern. Um die Vision vom Bundesliga-Basketball zu verwirklichen wird beim UBC allerdings sportlich als auch im Umfeld harte Arbeit geleistet. Gut finde ich auch, dass Jugendarbeit allmählich Bestandteil des noch recht jungen Vereins wird. Es ist wichtig Talente aus den eigenen Reihen zu fördern, statt nur Spieler von außerhalb zu holen.
Haben Sie die letzte Saison als Zuschauer aktiv miterlebt?
Bei den Heimspielen war ich, so oft es ging. Entweder als betreuender Arzt oder privat mit meiner Frau und meinen Kindern.
Wie würden Sie den allgemeinen Gesundheitszustand unserer Spieler beschreiben? Wo liegt der Schwerpunkt ihrer Behandlungen?
Glücklicherweise gab es diese Saison bei der Mannschaft keine gravierenden Verletzungen. Dies ist das Ergebnis guter Fitness und Muskulatur der Spieler, die einen wichtigen Schutzfaktor bilden, um Verletzungen vorzubeugen.
Erstreckt sich ihr Behandlungsfeld auch auf andere Spitzensportler?
Als leitender Oberarzt an der Orthopädischen Universitätsklinik betreue ich selbstverständlich auch Athleten anderer Sportarten, die auf ähnlich hohem Niveau tätig sind. Fußballer und Rugbyspieler, sowie Handballer und Turner sind zum Beispiel ein Teil davon.
Gibt es ein bestimmtes Verletzungsbild bei Basketballern?
Basketballer haben häufiger Verletzungen im Kniebereich und an den Sprunggelenken sowie Fingerverletzungen.
Sind Sie der Ansicht, dass Sportärzte des Öfteren im Konflikt zwischen sportlichen Vereinsinteressen auf der einen und der Verantwortung für die Gesundheit des behandelnden Spielers auf der anderen Seite stehen? Ein aktuelles Beispiel dafür wäre Ivan Klasnic von Fußballbundesligist Werder Bremen.
Vereinsärzte müssen die Wünsche der verletzten Spieler und der Verantwortlichen bei der Erstellung des Therapiekonzeptes berücksichtigen. Dabei ist große Vorsicht geboten. Gerade der Profisportler ist bereit gesundheitliche Dauerschäden in Kauf zu nehmen, um schnell wieder spielen zu können. Die Hauptintention ist eine schnelle Heilung, die auch den jeweiligen Trainern und Verantwortlichen nahe liegt. Der Arzt will den Spieler jedoch auf Dauer heilen. Der Verein übt in solchen Fällen meist Druck auf die Ärzte aus.
Wie wichtig ist die medizinische Betreuung von Hochleistungssportlern heutzutage?
Eine kompetente Betreuung im Hochleistungssport ist immens wichtig. Gerade im Profisport lastet meist ein gewaltiger finanzieller Druck auf dem jeweiligen Verein, dass ein verletzter Spieler schnell wieder fit wird. Für eine gute Genesung ist eine gute Reha erforderlich, aber auch ein gründliches Fachwissen des Arztes über die Sportart, die der Athlet betreibt.
Pressemitteilung :UBC TIGERS Hannover